Aktuelle, Rückblick

Desniansky Raion

Cyprien Gaillard

09.11.2022 - 07.12.2022


Eröffnungstermin: Mittwoch, 9. November 2022 20:00 Uhr

Cyprien Gaillards Film Desniansky Raion (2007) besteht aus selbst gedrehtem und gefundenem Filmmaterial aus vier europäischen Städten: ein Blick auf einen modernistischen Wolkenkratzer im Zentrum von Belgrad, eine Schlägerei zwischen Fußballfans inmitten von Betonhochhäusern in St. Petersburg, ein Video eines Wohnkomplexes in Meaux bei Paris, in dem auf ein Lichtspektakel seine Sprengung erfolgt, und ein Flug über eine schneebedeckte Stadtlandschaft im Desniansky-Distrikt von Kiew. Die einstmals gebauten Strukturen zukünftiger gesellschaftlicher Ordnung werden in Desniansky Raion zur Kulisse männlicher Gewaltausbrüche: Bei der Schlägerei handelt es sich um eine organisierte Kampfsubkultur, die von den Organisatoren dokumentiert und in den sozialen Medien zelebriert wird. Die von dem Musiker Koudlam eigens für den Film komponierte Musik überwältigt und lähmt die Zuschauer:innen. Der Sound dystopischer Science-Fiction Filme und die urbanen ruinösen Landschaften, auf denen die Kamera beinahe unerträglich lang verweilt, vermitteln ein Bild einer fernen Zukunft ohne Menschen, die im Errichten ihrer Ordnungen sich selbst vernichten. Es ist eine Welt in einer Katastrophe, die ihre Zerstörung zelebriert. Cyprien Gaillard (*1980 in Paris, lebt und arbeitet in New York und Berlin) richtet in seinen Filmen, Fotografien und Installationen den Fokus auf Werden und Vergehen der von Menschen geschaffenen Landschaften und Architekturen. In ihrer Ästhetik des Ruinösen, des Maroden und der Zerstörung bietet sein in zahlreichen renommierten Institutionen gezeigtes Werk einen harten und atmosphärisch verdichteten Blick auf die Gegenwart.

Vorschau

James Gregory Atkinson

11.01.2023 - 10.02.2023


Eröffnung: Mittwoch, 11. Januar 2023 20:00 Uhr

Rückblick

Hand-me-Downs,

Yto Barrada

25.10.2012 - 29.11.2012


Eröffnungstermin: Donnerstag, 25. Oktober 2012 20:00 Uhr

.11.2012"Hand-Me-Downs", so erklärt Yto Barrada zu Beginn des Videos, ist eine Bezeichnung für Kleidungsstücke, die innerhalb von Familien weitergereicht und aufgetragen werden. Auf eine ähnliche Weise sollen auch die Erzählungen, die den Kern des Videos ausmachen, verstanden werden.

"Hand-Me-Downs" behandelt die politischen und sozialen Folgen des Kolonialismus. Dabei geht es nicht um die große Erzählung, sondern um kleine Erzählungen aus dem Alltag der Betroffenen. Insgesamt 15 "weitergereichte" Geschichten werden von der Künstlerin in neutralen Tonfall vorgetragen. Die Herkunft der Geschichten wird nicht offengelegt, Kontexte sind nur angedeutet. Begleitet werden die Geschichten von ebenfalls älteren Filmaufnahmen und Musikpassagen. Die Anordnung folgt keiner offensichtlichen Reihenfolge und zielt nicht auf eine erkennbare Klimax.

Der Zusammenhang der Geschichten untereinander wie zu den Film- und Musikausschnitten bleibt assoziativ. Dennoch gibt es einen Zusammenhang. Im assoziativen Ineinander der drei medialen Ebenen umkreist das Video Lebenssituationen im Übergang vom Kolonialismus zum Postkolonialismus in Marokko - Brüche in den Identitäten, in den Familien, in den Biografien. Die Geschichten scheinen von wirklich Erlebtem zu berichten, von Kindheit und Jugend. Geschwisterbeziehungen und Familienbande stehen im Zentrum, Kleidung und Schule sind häufige Themen. Viele Geschichten arbeiten auf einen Punkt hin, spielen mit erschreckenden Implikationen, enden abrupt.

Geboren 1971 in Paris und aufgewachsen in Tanger, Marokko. Sie studierte zunächst Geschichtswissenschaft und Politologie an der Sorbonne in Paris, später studierte sie am International Center of Photographie in New York. Yto Barrada lebt in Tanger, wo sie sich in der Kultur- und Sozialarbeit engagiert. Ihre Werke setzen sich vor allem mit der sozialen, kulturellen und ökologischen Situation in Marokko auseinander. Im Jahr 2011 wurde sie als Deutsche Bank Artist of the Year ausgezeichnet.